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Musenküsse: Franz Schubert

Ursprünglich war für Samstag, den 09. Mai 2026 ein Liederabend mit Yalilé Cardona-Alonso vorgesehen. Leider musste dieser Abend kurzfristig abgesagt werden, da die Sängerin der Berufung aus ihrer kolumbianischen Heimat folgen wird, eine ehrenvolle Aufgabe in Bogotá zu übernehmen, die ihren ständigen Aufenthalt in ihrer Heimat erfordert.
Yalilé hat sich nichtsdestoweniger gemeinsam mit Pablo Rojas darum bemüht, den vorgesehenen Konzerttermin der Musenküsse (09. Mai 2026) nicht absagen zu müssen. Zu unserer großen Freude ist es Pablo gelungen, in kürzester Zeit einen Pianistenkollegen zu gewinnen, der bereit ist, uns an diesem Termin ein interessantes Programm darzubieten. Damit wird er mit Bachs Italienischem Konzert und Chopins g-Moll-Ballade Werke zweier Komponisten spielen, die bislang in den 17 Jahren unserer „Musenküsse“nochkeine (Bach) oder nur geringe (Chopin) Berücksichtigung gefunden haben.
Es mag zwar nicht der Programmgestaltung der Musenküsse entsprechen, zwei Klavierabende in unmittelbarer Folge zu spielen, aber es könnte bei guter Aufnahme des „Einspringers“ dazu führen, dass das Klavier als Konzertinstrument in Hinkunft auf mehr als 2 Beinen stehen könnte – bekanntlich bedarf ja ein Flügel deren drei. Und die Klaviermusikliteratur ist so reichhaltig, dass noch viele bislang ungehobenen Schätze ihrer Entdeckung harren!
Auf Wiedersehen am 09. Mai mit Sergio Posada-Gomez!
Helmut Hofmann
Musik- und Gesangverein St. Andrä-Wördern
2. Konzert im Zyklus „Musenküsse“ 2025/26
Clara Sophia Murnig
und
Pablo Rojas De los Rios
spielen
Klaviermusik zu 4 Händen
von
Franz Schubert
Samstag, 11. April 2026, 19,00 h
im Musikschulsaal St. Andrä-Wördern
Greifensteiner Straße 22
Eintritt: freie Spenden
Programm:
Ouvertüre in g-Moll D 668 (1819) – ca. 8‘
Rondo in D-Dur D 608 (1818) – ca. 9‘
Vier Polonaisen D 599 (1818) – ca. 11‘
Pause
Divertissement à la hongroise g-Moll. (D 818)
1824 (?) – ca. 30‘
1. Satz: Andante – un poco più mosso
2. Satz: Marsch. Andante con moto
3. Satz: Allegretto
Vorankündigung
Im Zyklus Musenküsse 2025/26 finden noch folgende Konzerte statt:
Samstag, 09. Mai 2026, 19:00 h Musikschulsaal St. Andrä-Wördern:
Klavier-Soloabend Sergio Pasado-Gomez mit Werken von Johann Sebastian Bach („Italienisches“ Konzert), Frederic Chopin (Ballade Nr. 1 g-Moll), Franz Liszt (Mephisto-Walzer Nr. 1) und Alberto Ginastera (Argentinische Tänze Op. 5).
(Siehe dazu die nächste Seite dieses Programmheftes.)
Samstag, 13. Juni 2026 19:00 h Musikschulsaal St. Andrä-Wördern:
Klavier-Soloabend Pablo Rojas De Los Rios mit spanischer Klaviermusik (Werke des spanischen Komponisten Isaac Albeniz, „spanische“ Klavierwerke von Claude Debussy und Klaviermusik des hierzulande immer noch weitgehend unbekannten Nordamerikaners Louis Moreau Gottschalk).
Samstag, 04. Juli 2026, 19:00 h Musikschulsaal St. Andrä-Wördern:
Richard Böhm singt Franz Schuberts Liedzyklus „Winterreise“.
Bitte um Terminvormerkung!
Den „Musenküssen“ zu diesem Zweck bekanntgegebene Adressen werden rechtzeitig vor dem jeweiligen Konzert per Mail verständigt.
Die österreichische Pianistin Clara Sophia Murnig ist solistisch, kammermusikalisch und als Liedpianistin tätig. Sie ist außerdem auf zeitgenössische Klaviermusik spezialisiert und seit 2013 als Lehrende am Ludwig van Beethoven Institut der Universität für Musik und darstellenden Kunst Wientätig.
Konzertierend war sie unter anderem im Konzerthaus Wien, in Sage Gateshead (UK), im Schönberg Center Wien, im Kultur- & Kongresszentrum Liederhalle Stuttgart (DE), im Bernhard Theater Zürich (CHE), im Reaktor, der Kunststation St. Peter Köln (DE), der Bayrischen Akademie der Künste München (DE), dem Edgar Elgar Room der Royal Albert Hall (UK), im Beethovenhaus Baden bei Wien, im Brahmsmuseum Mürzzuschlag, dem Stift Heiligenkreuz, in King Alexei’s Place (RU), sowie bei Festivals wie Wien Modern, Gmundner Festwochen, classic.muerz, der Styriarte oder Cremona Musica 2017 (ITA) zu hören. Sie arbeitet mit den Komponistinnen und Komponisten Nimrod Borenstein, Violeta Dinescu, Dominik Giesriegl, Nava Hemyari, Peter Jakober und Verena Zeiner zusammen und ist im Duo mit Cornelia Sonnleithner, Zacharias Galaviz-Guerra (Gesang) sowie der Geigerin Iris Ballot und dem Schlagwerker Joachim Murnig zu hören.
Ihre pianistische Ausbildung erhielt sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Ursula Kneihs und Anna Pfeiffer und am Royal College of Music in London in Piano Accompanimentbei Simon Lepper und Roger Vignoles. 2024 absolvierte sie die internationalen Meisterklassen am Arnold Schönberg Center mit KS Ildikó Raimondi und Charles Spencer, sowie den Liedkurs im Schloss vor Husum mit Ulf Bästlein und Charles Spencer, bei dem sie im Duo mit Zacharias Galaviz-Guerra den 1. Lied-Duo Preis und den Publikumspreis erhielt. 2014 arbeitete sie als Samling Artist mit Malcolm Martineau, Stephen King und Sir Thomas Allen, 2012 beim Schubert Institut Baden bei Wien mit Elly Ameling, Helmut Deutsch, Julius Drake, Bernarda Fink, Robert Holl und Rudolf Jansen. Weiters absolvierte sie Meisterkurse bei den Wiener Tagen der zeitgenössischen Klaviermusik mit Helmut Lachenmann und Robert HP Platz.
2012 erhielt sie das Start-Stipendium des MWKMS in der Sparte Musik und darstellende Kunst. Sie war Stipendiatin des Lucy Ann Jones Awards des Royal College of Music und des Josef-Krainer-Stipendienfonds des Landes Steiermark. (Weitere Informationen unter claramurnig.com).
Die im Oktober 1819 komponierte Ouverture in g-Moll wurde erst in der Schubert-Gesamtausgabe 1897 veröffentlicht. Die von Schubert stammende Handschrift befindet sich in der Wiener Stadtbibliothek und rührt daher mit Sicherheit von Schubert selbst her. Dass dieses Werk lange in keiner der üblichen Ausgaben vierhändiger Klaviermusik Schuberts enthalten ist, geht auf die Vermutung zurück, es handle sich dabei um die „Partitur“ eines verschollenen Orchesterwerks. Näheres wissen wir nicht. Der Klaviersatz weist jedenfalls schon auf den Komponisten der als „Grand Duo“ bezeichneten, 1824 in Zselits entstandenen Sonate C-Dur D 812 hin.
Das ein Jahr zuvor im Jänner 1818 entstandene Rondo D-Dur wurde erst 1835 mit dem vom Verleger Diabelli beigegebenen Motto „Notre amitié est invariable“ (unsere Freundschaft ist unveränderlich“) bedacht. Diabelli war mit solchen Beigaben nicht zimperlich. Sie wurden im 20. Jahrhundert lange Zeit als unpassende und der Geschäftstüchtigkeit geschuldete Entgleisungen angesehen. Aus heutiger Sicht müssen wir aber einräumen, dass solche „Untertitel“ nicht völlig aus der Luft gegriffen waren. Vermutlich war es auch bis zu Diabelli vorgedrungen, dass das Überkreuzen der Hände als Symbol für die Unzertrennlichkeit etwas mit Schuberts zweiten Sommeraufenthalt in Zselits (1824) zu tun gehabt haben könnte und sich Schuberts Zuneigung zur Comtesse Karoline Esterhazy bereits vor diesem Landaufenthalt in Wien angebahnt hatte. Immerhin steht „amitié“ sowohl für Freundschaft als auch für Liebe und Zuneigung und auch „invariable“ hat einen Bedeutungsumfang, der auch schlicht und einfach „unverbrüchlich“ umfasst. „In unverbrüchlicher Zuneigung“ hätte ein Klavierlehrer seiner 19-jährigen Schülerin wohl schon vor 200 Jahren sagen dürfen…Das Rondo beginnt auftaktig mit einem arpeggierten übermäßigen D-Dur-Dreiklang, an den eine „circulatio“ (Unendlichkeitsmotiv) anschließt. D-Dur wird mit festlichem Jubel konnotiert, der sich, allerdings anmutig-graziös und mit p(iano) und dolce (leise und süß) gedämpft zeigt und für das gesamte Rondo den motivischen Untergrund bildet. Ob die perpetuum mobile-artigen Sechzehntel des zweiten Zwischenspiel mit einer plappernden Schülerin in Zusammenhang gebracht werden können oder eher eine Anspielung auf den Beginn der Cavatine der Zerline „Batti, batti“ aus der Oper Don Giovanni sein könnte, bleibt ebenso der Fantasie überlassen, wie das dezent überhebliche Gehabe, welches das Rondo vom Beginn bis zum Ende durchzieht.
Bei den 7 Jahre vor den 6 Polonaisen D. 824 komponierten, heute zu Gehör gebrachten 4 Polonaisen, handelt es sich vermutlich wie bei vielen anderen Tänzen um aus einem konkreten Bedarf entstandenen Kompositionen. Wie auch bei anderen Gelegenheiten greift Schubert auf Melodien zurück, die er auch in anderen Werken verwendet: so findet man das Thema des Trios der 3. Polonaise im trio-artigen Mittelteil des Moment Musical Nr. 6 As-Dur, D D 780, dessen Entstehungszeit nicht bekannt ist. Es könnte sein, dass sie lange vor seiner Erstveröffentlichung (1824) gelegen war, denn es stellt sich die Frage, warum Schubert das Trio der in E-Dur notierten Polonaise in Des-Dur komponiert hat. Das Divertissement à la Hongroise über ungarische Themen komponierte Schubert zwischen Sommer 1824 und Jänner 1826. Im Sommer 1824 hatte für Franz Schubert ein neuer Lebens- und Schaffensabschnitt begonnen, der von seiner heftigen Zuneigung zur 18-jährigen Karoline Eszterházy, der jüngeren Tochter des Grafen, beherrscht war. Das Anfangsmotiv des 3. Satzes wurde zunächst für ein kurzes, nachweislich im August 1828 in Zseliz komponiertes Klavierstück verwendet. Den Erinnerungen seines Freundes Schönstein zufolge soll dem Divertissement ein von einer Küchenmagd in Zseliz gesungenes ungarisches Lied zugrunde liegen. Welches Motiv damit auch immer gemeint war: das Divertissement konnte wohl nicht vor dem Sommeraufenthalt in Zseliz komponiert worden sein. Schubert hat dort seine Anregungen dafür erhalten, wann immer er sie – vor dem Erscheinen im Jänner 1828 – dem Divertissement zugrunde gelegt haben mag.
In dem damals noch ungarischen Zseliz, einem in der Ebene gelegenen, gottverlassenen Dorf an der Gran, hatte der musikliebende Johann Graf Esterházy de Galantha, einer Seitenlinie des berühmten Fürstengeschlechts, ein Sommerschlösschen, in das er Schubert in den Sommermonaten 1818 und 1824 als Haus- und Hofmusikus engagiert hatte. Dort hatte Schubert auch die zwei Haustöchter im Klavierspiel zu unterweisen. In den Sommer 1824 fallen etliche Kompositionen Schuberts, die im Lichte seiner Bestrebungen gesehen werden können, durch eine große Symphonie bekannt zu werden. Im Divertissement finden sich unübersehbare Anklänge an den 2. Satz der Ende 1824/Anfang 1825 entstandenen „großen“ C-Dur-Symphonie. In diesen Kompositionen finden sich aber auch zahlreiche ungewohnte musikalische Ausdrucksmittel, die für die ab 1824 komponierte Musik Schuberts typisch sind.
Pablo Andres Rojas De Los Ríos wurde in Pasto (Kolumbien) geboren. Er studierte Klavier an der Universidad de Antioquia (Kolumbien) und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei den Professoren Carlos Rivera, Michael Lipp und Harald Ossberger. Er konzertierte als Solist u. a auch mit dem Symphonischen Orchester Kolumbiens, dem Philharmonischen Orchester von Bogotá, sowie dem Symphonischen Orchester von Yucatán (Mexiko). 1997 und 1999 war er zweiter Preisträger beim Nationalen Kolumbianischen Klavierwettbewerb. 2009 und 2012 wurde er zu diesem Wettbewerb als Jurymitglied eingeladen.
Pablo Andres Rojas De Los Ríos gab in Österreich zunächst an der Musikschule Waidhofen an der Ybbs Unterricht und lehrt seit 2013 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Im Jahr 2009 brachte das Duo Barembuem-Rojas sein erstes Album – „Volver“ (span. zurückkehren) – mit eigenen einfühlsamen Arrangements, beim Label REChord Sounds Vienna heraus. Bei GramolaWien erschien im Jahr 2016 seine Solo-CD “Latin American Piano Music”. Im Jahr 2017 wirkte Pablo Rojas bei der CD Produktion “my´Latin Album” von Staatsoperntenor Juan Diego Florez als Pianist und Arrangeur mit.
Pablo Andres Rojas De Los Ríos absolvierte Auftritte bei Festivals wie Jazz Fest Wien, StyraburgFestival Steyr (Oberösterreich), Blüthner Zyklus spezial sowie Konzerte im Wiener Konzerthaus Wien, Porgy&Bess, im Volkstheater Wien – Rote Bar, dem Centre des Arts Pluriels Ed. Juncker (Luxemburg), dem CRR Konser Salonu Istanbul, Teatro Colón in Bogotá und in chinesischen Städten wie Beijing, Shenzhe, Longgang, Chengdu, Pengzhou, Kunming, Lanzhou, Xi’ning, und Xiamen.
Der mit seiner Familie in Maria Anzbach wohnende Pianist Pablo Rojas ist in St. Andrä-Wördern kein Unbekannter. Er ist mit der Konzertreihe „Musenküsse“ eng verbunden und hat in deren Rahmen bereits mehrere stark akklamierte Abende gestaltet, unter anderem mit Werken für Klavier zu vier Händen mit Helmut Hofmann und vergnüglichen Soloabenden mit Klavierwerken von spanischen und lateinamerikanischen Komponisten und Komponistinnen.

